Donnerstag, 27. Oktober 2016

Rums # 43 / 16 Grau-grün-rot für alle!

Letzten Sonntag gab es bei uns ein großes Fest - wir haben unsere 4 Kinder taufen lassen. Alle auf einmal! Natürlich musste ich mir für diese Gelegenheit was zum Anziehen nähen, klar, oder?
Ich wollte kein so oberschickes Outfit, sondern irgendwas alltagtaugliches, was man danach auch noch anziehen kann. Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich das Buch "Näh Dir Dein Kleid" von RosaP geschenkt bekommen und das war jetzt DIE Gelegenheit. Und ich habe endlich mal wieder einen Rums!

Es ist ein Kleid mit klassischem Oberteil mit mittlerem Ausschnitt, klassischem Ärmel, Taillienpasse und A-LinienRock geworden, in Größe S. Die Modelle im Buch sind 1,68 groß - wie praktisch, genauso groß bin ich auch und ich musste überhaupt keine Veränderungen am Schnitt vornehmen. Die Nähte habe ich alle gecovert und es hat fehlerfrei geklappt. So langsam liebe ich meine Cover.  Ich habe es sogar geschafft, mit dieser Ausschnittvariante zu stillen! Man wächst mit seinen Aufgaben. ;)
Die Stoffe sind allesamt von Alles-für-Selbermacher.  Grauer Streicheljersey für den Hauptteil, grüner Romanit für die Ärmel und dunkelroter Romanit für Bündchen und Passe. Der Romanitjersey ist unglaublich schön und vernäht sich supertoll. Ich glaube, da brauche ich mehr davon!


Mein Outfit war also schnell ausgedacht. Und sogar auch ziemlich fix genäht. Aber was den Kindern anziehen? Ich wollte auch die Kinder nicht zu festlich anziehen, ich finde das so schade, wenn Kinder nur für einen Tag total aus dem Ei gepellt daher kommen und danach kann man dann die Sachen nicht mehr anziehen. Außerdem ist hier keines der Kinder der Typ chic-chic. Ich habe hier eher eine wilde Rasselbande.
Dann kam mir die Idee, einfach alle im Partnerlook einzukleiden. Normalerweise stehe ich da nicht unbedingt so drauf, aber für diesen Anlass fand ich es dann doch gut.

Also habe ich für unsere Madame auch ein Kleid genäht, ähnlich meinem Kleid. Der Schnitt ist selbst zusammengestückelt aus verschiedenen Teilen.
Für die großen Jungs gabs Raglanshirts von Lillesol. Für den Jüngsten gab es einen Pulli und eine Babyhose von Klimperklein.
Die Jungs haben am Sonntag schlichte schwarze Hosen dazu getragen und die Madame durfte eine richtige Seidenstrumpfhose wie Mama anziehen.




Nur mein Mann wollte nicht beim Partnerlook mitmachen. Dabei wäre ein Hemd in den Farben doch echt cool gewesen, oder? ;)

Liebe Grüße
Lilo

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Dienstag, 11. Oktober 2016

Manchmal kommt alles ganz anders

Als unser 4. Kind letztes Jahr im September so eigenwillig 5 Tage vor Termin am 1. Schultag seines großen Bruders zur Welt kam, waren wir ja erstmal ziemlich überrumpelt und sind leicht chaotisch in diesen besonderen Tag gestolpert.
Im Nachhinein war es dann aber natürlich für alle wunderschön und der Große sagt heute, dass sein 1. Schultag für ihn immer doppelt besonders in Erinnerung bleiben wird.

Das Geburtsdatum unseres Jüngsten entpuppte sich dann auch aus einem anderen Grund als sehr praktisch - elternzeittechnisch hätte er es nicht besser "machen" können.
Mein Mann wollte 2 Elternmonate nehmen und wir dachten uns: Wie toll, er nimmt auf jeden Fall den 12. Lebensmonat, dann ist der Kleine schon so groß, dass man wirklich was mit ihm anfangen kann und wir können außerdem als Familie zusammen einen tollen langen Urlaub machen.

Ganz früh haben wir uns schon unser Reiseziel ausgesucht und Unterkunft gebucht und einen Zwischenstopp für die Anreise ausgesucht. Eine Woche Normandie sollte es werden und danach zwei Wochen Bretagne.
Das ganze Jahr über haben wir uns auf diesen langen Familienurlaub gefreut, Unternehmungen geplant, eine große Dachbox für das Auto besorgt, den Fahrradständer auf der Hängerkupplung um ein Fahrrad erweitert, usw. usw.

Dann kam der August und mein Mann war noch ein Wochenende mit Freunden beim Segeln. Schon dort hatte er Rückenschmerzen, die leider immer heftiger wurden und die Diagnose des Arztes ein paar Tage später war äußerst unschön. Sein alter Bandscheibenvorfall war wieder "aufgeflammt" und das viel heftiger, als beim ersten mal vor vielen Jahren.
Er hat dann alles versucht, Schmerzmittel, Spritzen, Wärmesalbe, Notfallübungen, usw. Bis einen Tag vor unserer Abfahrt dachten wir, es würde dann schon gehen. Ich habe fast alles alleine gepackt, die Dachbox mit Hilfe eines netten Nachbarn auf das Auto gewuchtet, mich gegen die Mitnahme von Fahrrädern entschieden und am nächsten Morgen wollten wir losfahren.
Der nächste Morgen kam und mein Mann konnte sich fast nicht bewegen, vor Schmerzen. Nach langem hin- und her haben wir eingesehen, dass er so nicht fahren kann.

Jetzt stand ich da also, mit gepacktem Auto und völlig überdrehten Kindern. Die Kinder konnten so gar nicht damit umgehen, dass der Papa zwar Zuhause war, aber trotzdem nicht mit ihnen spielen konnte. Er sah doch gar nicht krank aus. Die Woche vor unserem Urlaub Zuhause war schon eine einzige Katastrophe, die Stimmung im Keller. So konnte es auch nicht weitergehen. Also habe ich beschossen, erstmal alleine mit den Kindern loszufahren. In der Hoffnung, mein Mann könnte dann vielleicht nach ein paar Tagen nachkommen.

Am Ende konnte mein Mann gar nicht nachkommen, da sich über einen langen Zeitraum keine Besserung einstellen wollte. Ich bin mit den Kindern alleine in die Normandie gefahren und eine Woche später alleine weiter in die Bretagne gereist. Auf dem Hinweg hat sich schonmal jedes Kind einmal im Auto übergeben. Guter Star, was? Konnte nur noch besser werden, oder? Ich war irgendwo zwischen Galgenhumor und Verzweiflung und hab mich immer wieder gefragt, ob ich eigentlich total irre bin, so weit alleine mit den Kindern zu fahren. Dann habe ich mir aber auch immer wieder gedacht, dass so viele andere Menschen gar keinen Urlaub machen können und dass ich mich vielleicht mal einfach nicht so anstellen sollte. Und irgendwie hat dann auch alles geklappt.

Ich habe viel gelernt, in diesem Urlaub.
Über mich und die Grenzen meiner Belastbarkeit und auch über meine Kinder.
Ich habe FAHRPRAXIS erlangt. ;) Da ich gleich zu Beginn der Sommerferien ja auch noch eine Woche mit den Kindern an der Nordsee war,  insgesamt schlappe 5000 km.
Ich kenne alle Kinderhörbücher in- und auswendig.
Ich hatte abends alleine sehr viel Zeit zum Nachdenken, in diesen 3 Wochen.
Über mich und unsere Familie und über unser Glück, als Familie.
In letzter Zeit gab es in unserer Familie viel zu viel Hektik, zu viel Streit, zu viel Geschrei. Ich bin dankbar, für diese Zeit des Nachdenkens. Wäre ich nicht alleine gefahren, hätte das so sicher nicht stattgefunden. Alles ist für irgendetwas gut....
Ich habe Demut gelernt, vor allen Alleinerziehenden auf dieser Welt.

Es war anstrengend. Ich glaube, ich fand Urlaub noch nie so anstrengend, wie dieses Jahr, obwohl ich die letzte Woche in der Bretagne noch Unterstützung von meinen Eltern und Schwiegereltern bekommen habe.
Unser Ältester musste vielleicht schon ein Tick mehr Verantwortung übernehmen, als 7-jährige das normalerweise tun. Aber er hat das mit Bravour gemeistert und ist daran gewachsen.

Und für die Kinder war es trotz allem schön. Sie konnten auf den Campingplätzen frei herumlaufen, Baden, im Sand spielen und trotz der ganzen schwierigen Situation einen schönen Sommerurlaub verbringen.
Und ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass es insgesamt eigentlich ganz gut gelaufen ist.
Im übrigen hatten wir fast 3 Wochen perfektes Wetter. Angeblich gibt es in der Bretagne ganz oft Wetterumschwünge und es kann auch mal stürmisch werden, mit kaltem Wind. Wir haben nichts davon bemerkt und so blieb das warme Strandoutfit aus kuscheligem Sommerfrottee für meine Tochter bis auf die Fotosession im Koffer.
Schade eigentlich, vielleicht kommt es ja nächstes Jahr irgendwo zum Einsatz, bevor es zu klein wird, ich finde unsere Madame nämlich oberniedlich, darin. Aber einer wartet hier ja auch noch auf abgelegte Klamotten und ich wette, dieses Outfit steht auch einem kleinen blonden Jungen.
Die Hose ist die Sommerhose von Klimperklein, das Oberteil ist der Kapuzenpulli Floris & Fleur aus dem Buch "Selbstgenähte Kleider für Mädchen und Jungen Band 3" von Catherine Derweerdt. Dieses Buch habe ich letztes Jahr von lieben Freunden zum Geburtstag bekommen und habe es jetzt endlich mal geschafft, etwas daraus zu nähen. Die Schnitte sind schlicht mit einfacher, präziser Nähanleitung und der Pulli sitzt schonmal gut.

Viel Text, heute.... dafür jetzt zum Ausgleich auch viele Bilder. 


Mittlerweile sind wir wieder fest im Alltag angekommen. Pünktlich zum Ende der Elternzeit ging es dann auch bei meinem Mann aufwärts. Er ist noch nicht 100% der Alte, aber er arbeitet wieder und die Dinge gehen ihren Lauf. Ich war noch nie so zufrieden, einfach Alltag zu haben, wie nach diesem Sommer.

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